{"id":674,"date":"2025-09-05T12:01:45","date_gmt":"2025-09-05T10:01:45","guid":{"rendered":"https:\/\/privacy4all.de\/startseite\/?p=674"},"modified":"2025-11-20T11:05:56","modified_gmt":"2025-11-20T10:05:56","slug":"drei-gruende-fuer-das-teilen-von-persoenlichen-informationen-auf-social-media","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/privacy4all.de\/startseite\/drei-gruende-fuer-das-teilen-von-persoenlichen-informationen-auf-social-media\/","title":{"rendered":"Drei Gr\u00fcnde f\u00fcr das Teilen von pers\u00f6nlichen Informationen auf Social Media"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong>Wir suchen immer neue Beitr\u00e4ge f\u00fcr unseren Blog &#8211; einen Call mit allen relevanten Informationen findet ihr <a href=\"https:\/\/privacy4all.de\/startseite\/call-for-blogbeitraege\/\">hier<\/a>!<\/strong><\/p>\n\n\n\n\n\n<p>von<strong> <a href=\"https:\/\/salzburgethics.com\/\" title=\"\">Asja Ahatovic<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Social Media-Plattformen wie Instagram und TikTok sind heutzutage in aller Munde. Vor allem die junge Generation verbringt sehr viel Zeit mit diesen Apps. Haupts\u00e4chlich geht es dabei um das Teilen von Videos und Fotos, um die Interaktion mit Menschen aus aller Welt und die Darstellung der eigenen Person und des eigenen Lebens. Sehr h\u00e4ufig sind es pers\u00f6nliche Informationen, die mit anderen ausgetauscht werden. Beispiele f\u00fcr typische Inhalte, die auf Social Media geteilt werden, sind der eigene Aufenthaltsort oder t\u00e4gliche Aktivit\u00e4ten. Immer h\u00e4ufiger werden auch politische \u00dcberzeugungen, die sexuelle Orientierung sowie der mentale und physische Gesundheitszustand zum Thema. Menschen erz\u00e4hlen Geschichten \u00fcber toxische Liebesbeziehungen, \u00fcber ihren Kampf mit Essst\u00f6rungen oder ihre Erfahrungen mit Diskriminierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Entwicklung steht in einem direkten Spannungsverh\u00e4ltnis mit dem Wert der Privatheit, den viele Menschen sch\u00e4tzen. In der philosophischen Literatur zum Thema Privatheit wird deshalb haupts\u00e4chlich eine negative Einsch\u00e4tzung dieser Plattformen abgegeben. Carissa V\u00e9liz ist beispielsweise davon \u00fcberzeugt, dass Soziale Medien durch ihre Kultur des Enth\u00fcllens und \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Teilens den Wert der Privatheit untergraben. (Siehe V\u00e9liz 2022, S. 37) &nbsp;&nbsp;Laut V\u00e9liz ist die Privatheit deshalb so wertvoll, weil sie uns vor \u00dcbergriffen durch andere sch\u00fctzt \u2013 insbesondere durch jene, die sich in Machtpositionen befinden. Pers\u00f6nliche Informationen sollten privat gehalten werden, weil sie sonst leicht gegen uns verwendet werden k\u00f6nnen.&nbsp; (Siehe Carissa V\u00e9liz\u2018 Buch <em>Privacy is Power <\/em>2020) Anita Allen argumentiert f\u00fcr eine Pflicht, seine eigene Privatheit zu besch\u00fctzen und deshalb im Normalfall keine pers\u00f6nlichen Informationen zu teilen (Siehe Allen 2012). Diese Pflicht ergibt sich laut Allen aus der grundlegenden Bedeutsamkeit unseres Wohlbefindens, das durch das Teilen von pers\u00f6nlichen Informationen online stark gef\u00e4hrdet wird. Dar\u00fcber hinaus sollten nicht nur die Risiken thematisiert werden, die mit dem Teilen pers\u00f6nlicher Informationen gegen\u00fcber anderen Nutzer*innen verbunden sind, sondern auch die Gefahren durch Profiling und Tracking sowie der Verlust von Privatheit gegen\u00fcber den Social-Media-Plattformen selbst. Ich denke, diese Skepsis gegen\u00fcber Social Media und der Appell, die eigene Privatheit zu sch\u00fctzen, sind eine plausible Reaktion auf die Entwicklungen unserer Zeit. Dennoch ist es wertvoll, auch die andere Seite zu beleuchten, weshalb ich mir im Folgenden die Frage stelle: Welche \u00fcberindividuellen Gr\u00fcnde k\u00f6nnten wir <em>f\u00fcr<\/em> das Teilen pers\u00f6nlicher Informationen haben? Inwiefern ist es auch aus einer gesellschaftlichen Perspektive gut und wertvoll, pers\u00f6nliche Informationen auf Social Media zu teilen?<\/p>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst muss gekl\u00e4rt werden, was ich mit <em>pers\u00f6nlichen Informationen<\/em> meine; und zwar Informationen, die typischerweise als <em>pers\u00f6nlich<\/em> gelten, wie sexuelle Orientierung, politische Einstellung oder gesundheitliche Probleme. Ein verbindendes Merkmal dieser Art von Information ist ihr Missbrauchspotenzial in Form von Diskriminierung. Ein Beispiel w\u00e4re die Verweigerung eines Jobs aufgrund geteilter pers\u00f6nlicher Informationen \u00fcber seine politischen Ansichten. Es kommt leider nicht selten vor, dass ArbeitgeberInnen ihre Job-KandidatInnen genauer unter die Lupe nehme und dabei auf pers\u00f6nliche Informationen sto\u00dfen, die sie dann gegen sie verwenden. Ich m\u00f6chte im Folgenden jedoch daf\u00fcr argumentieren, dass wir starke und auf das eigene Wohlergehen bezogene, moralische und wissensbezogene Gr\u00fcnde haben, pers\u00f6nliche Informationen auf Social Media zu teilen. Fangen wir mit den auf das eigene Wohlergehen bezogenen Gr\u00fcnden an: Die Idee ist, dass wir durch das Teilen von pers\u00f6nlichen Informationen uns selbst etwas Gutes tun, beziehungsweise unser Wohlbefinden steigern k\u00f6nnen. Nehmen wir an, jemand steckt in einer toxischen Liebesbeziehung fest und leidet stark darunter. Diese Person hat vielleicht niemanden in ihrem Umfeld, der ihr Leiden wirklich versteht, weil keine ihrer Freund*innen oder Familienmitglieder je solch eine Beziehung erlebt hat. Nun ist es aber genau dieses Verst\u00e4ndnis, das ihr wirklich fehlt. Wenn sie sich dazu entscheidet, ihre Geschichte auf zum Beispiel TikTok zu teilen, k\u00f6nnte sie genau auf diejenigen User*innen sto\u00dfen, die etwas \u00c4hnliches durchmachen bzw. bereits durchgemacht haben. Durch das Teilen ihrer Geschichte, kann sie das Verst\u00e4ndnis und vielleicht auch die Ratschl\u00e4ge erhalten, die sie ben\u00f6tigt, um sich besser zu f\u00fchlen. Manchmal reicht es auch einfach zu sehen, dass man nicht allein mit seinem Leid ist. Mit \u00e4hnlichen \u00dcberlegungen kann man ein moralisches Argument f\u00fcr das Teilen entwickeln: Man kann sehr vielen Menschen damit helfen, eigene pers\u00f6nliche Informationen zu teilen. Ein Beispiel daf\u00fcr w\u00e4re jemand, der mit einer Angstst\u00f6rung zu k\u00e4mpfen hat und sich dazu entschlie\u00dft, auf TikTok dar\u00fcber zu sprechen. Er\/Sie erz\u00e4hlt nicht nur, wie es sich anf\u00fchlt, eine Panikattacke zu haben, sondern erkl\u00e4rt auch, was ihm\/ihr besonders hilft, um einer Panikattacke vorzubeugen beziehungsweise besser damit umzugehen. Angesichts der Tatsache, wie viele Menschen ebenfalls mit solch einer Angstst\u00f6rung zu k\u00e4mpfen haben, w\u00e4re es ein wichtiger Beitrag, seine Tipps und Erfahrungen mit anderen zu teilen.<br>Schlie\u00dflich spricht noch ein weiterer Grund f\u00fcr das Teilen von Informationen: Man verbreitet Wissen oder lenkt Aufmerksamkeit auf moralisch bedeutsame Ph\u00e4nomene oder Ereignisse. Die #MeToo-Bewegung ist ein gutes Beispiel. Dabei haben vor allem viele Frauen sehr pers\u00f6nliche Informationen dar\u00fcber geteilt, was ihnen widerfahren ist und mit #MeToo auf Social Media Bewusstsein f\u00fcr das strukturelle Problem des Machtmissbrauchs und sexueller \u00dcbergriffe geschaffen. Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass es entgegen der bestehenden Literatur zum Thema, doch starke und gute Gr\u00fcnde daf\u00fcr gibt, pers\u00f6nliche Informationen zu teilen. Das bedeutet aber nat\u00fcrlich nicht, dass nicht auch viele gute Gr\u00fcnde dagegensprechen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>V\u00e9liz, C. (2022). Self-presentation and privacy online.&nbsp;<em>Journal of Practical Ethics<\/em>,&nbsp;<em>9<\/em>(2)<\/p>\n\n\n\n<p>V\u00e9liz, C. (2021).&nbsp;<em>Privacy is power<\/em>. Brooklyn: Melville House.<\/p>\n\n\n\n<p>Allen, A. L. (2012). An ethical duty to protect one&#8217;s own information privacy.&nbsp;<em>Ala. L. Rev.<\/em>,&nbsp;<em>64<\/em>, 845.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>\u00dcber die Autorin<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"padding-top:0;padding-right:0;padding-bottom:0;padding-left:0;flex-basis:50%\">\n<p>Asja Ahatovic hat einen Bachelor of Education in Deutsch und Philosophie-Psychologie sowie einen Master in Philosophie von den Universit\u00e4ten Salzburg und Turin. Derzeit ist sie Doktorandin im Rahmen eines FWF-Forschungsprojekts zum Thema&nbsp;<em>Privatheit<\/em>&nbsp;unter der Betreuung von Prof. Leonhard Menges an der Universit\u00e4t Salzburg.<br>Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Begriff der Privatheit, insbesondere im Kontext sozialer Medien. Mehr Informationen hier: <a href=\"https:\/\/salzburgethics.com\/\">Salzburg Ethics Group<\/a><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:50%\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir suchen immer neue Beitr\u00e4ge f\u00fcr unseren Blog &#8211; einen Call mit allen relevanten Informationen findet ihr hier! von Asja Ahatovic Social Media-Plattformen wie Instagram und TikTok sind heutzutage in aller Munde. Vor allem die junge Generation verbringt sehr viel Zeit mit diesen Apps. Haupts\u00e4chlich geht es dabei um das Teilen von Videos und Fotos, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":680,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"saved_in_kubio":false,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-674","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-uncategorized"],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/privacy4all.de\/startseite\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/674","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/privacy4all.de\/startseite\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/privacy4all.de\/startseite\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/privacy4all.de\/startseite\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/privacy4all.de\/startseite\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=674"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/privacy4all.de\/startseite\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/674\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":810,"href":"https:\/\/privacy4all.de\/startseite\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/674\/revisions\/810"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/privacy4all.de\/startseite\/wp-json\/wp\/v2\/media\/680"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/privacy4all.de\/startseite\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=674"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/privacy4all.de\/startseite\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=674"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/privacy4all.de\/startseite\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=674"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}